Wenn Sie bei Google etwas suchen, steht oft schon eine KI-generierte Zusammenfassung ganz oben – ein sogenanntes AI Overview: ein von Google automatisch erstellter Textblock, der die Antwort direkt liefert, bevor die klassischen blauen Links folgen. Für Websitebetreiber stellt sich seit dem Rollout in Deutschland im März 2025 eine nüchterne Frage: Wie viele Klicks kostet das tatsächlich? Zwei Auswertungen aus dem Februar 2026 – von SISTRIX für den deutschen Markt und von Ahrefs auf globaler Basis – liefern dazu erstmals belastbare Prozentzahlen.
Wie stark sinkt die Klickrate auf Platz 1 wirklich?
SISTRIX hat für seine Auswertung rund 100 Millionen deutsche Keywords ausgewertet. Ergebnis: Taucht bei einer Suchanfrage ein AI Overview auf, sinkt die Klickrate (der Anteil der Nutzer, die auf ein Ergebnis klicken) auf Position 1 von durchschnittlich 27 Prozent auf 11 Prozent – ein Rückgang von rund 59 Prozent. Hochgerechnet auf den gesamten deutschen Markt entspricht das nach SISTRIX-Schätzung etwa 265 Millionen entgangenen Klicks pro Monat, rund 6,6 Prozent aller organischen Klicks.
Ahrefs kommt mit einer globalen Auswertung von 300.000 Keywords (Daten aus der Google Search Console, Vergleich Dezember 2023 zu Dezember 2025) auf eine ähnliche Größenordnung: minus 58 Prozent Klickrate auf Position 1, wenn ein AI Overview erscheint. Im April 2025 lag derselbe Wert noch bei 34,5 Prozent – der Effekt hat sich innerhalb weniger Monate deutlich verstärkt. Auch tiefere Positionen verlieren, nur schwächer: Position 2 rund 51 Prozent, Position 3 rund 46 Prozent, Position 10 immerhin noch etwa 19 Prozent.
Eine Einordnung gehört dazu, damit die Zahl nicht überinterpretiert wird: Ahrefs weist selbst darauf hin, dass auch Suchanfragen ohne AI Overview im selben Zeitraum an Klickrate verloren haben – ein Teil des Rückgangs geht auf allgemein verändertes Suchverhalten zurück, nicht allein auf die KI-Zusammenfassung. AI Overviews beschleunigen einen Trend, der ohnehin schon lief, deutlich messbar wird er trotzdem.
Welche Suchanfragen trifft es – und welche kaum?
Der Rückgang verteilt sich nicht gleichmäßig. Nach den vorliegenden Auswertungen zeigt sich ein klares Muster:
- Reine Info- und Wissensfragen sind am stärksten betroffen. In einer Untersuchung von acht Domains mit rund 171.000 Top-10-Keywords (SMART LEMON, Datenbasis SISTRIX und Google Search Console, Mai bis Dezember 2025) entfielen 88 Prozent aller Keywords mit AI Overview auf klassische „Was ist …"- und Wissensfragen. Bei Fragen-Keywords insgesamt löste in 64 Prozent der Fälle ein AI Overview aus.
- Lokale Suchen („Handwerker in der Nähe", „Bäckerei [Ort]") zeigen deutlich seltener ein AI Overview – lokale Suchergebnisse und KI-Zusammenfassung laufen bislang selten gemeinsam auf.
- Marken- und Navigationssuchen (jemand sucht gezielt nach einem Firmennamen) waren zu Beginn kaum betroffen. In der genannten Acht-Domain-Stichprobe stieg der Anteil bis Dezember 2025 auf rund 27 Prozent – die Tendenz wächst, bleibt aber unter dem Niveau der Info-Suchen.
- Transaktionale Suchen mit klarer Kaufabsicht sind nach SISTRIX-Daten selten von AI Overviews begleitet: Rezeptseiten etwa verlieren im Schnitt nur rund 1 Prozent Klicks, während Eltern- und Ratgeberportale bis zu 24 Prozent einbüßen.
Betrifft das auch kleine, lokal tätige Betriebe?
Nach der aktuellen Datenlage: weniger als reine Informationsanbieter. Wer über einen Ratgeber-Blog, Lexikon-Artikel oder allgemeine „Wie funktioniert …"-Inhalte Traffic holt, spürt den Effekt eher. Wer über lokale Suchen, den eigenen Namen oder konkrete Angebote gefunden wird, ist derzeit weniger stark betroffen – ausgeschlossen ist es aber nicht, denn der Anteil bei Marken-Suchen wächst laut den vorliegenden Zahlen ebenfalls.
Was heißt das für Ihren Betrieb?
Kein Grund für Aktionismus, aber auch keiner, das Thema zu ignorieren. Die Zahlen zeigen: Wo Google eine Antwort direkt zusammenfassen kann, sinkt der Klick auf die eigene Seite spürbar. Zwei praktische Konsequenzen:
- Inhalte, die reine Faktenfragen beantworten, verlieren an Klick-Wert – lohnen sich aber weiterhin, wenn sie als Quelle für die KI-Zusammenfassung selbst herangezogen werden.
- Lokale und markenbezogene Sichtbarkeit (Google-Unternehmensprofil, klare Firmenangaben, eindeutige Struktur der eigenen Seite) bleibt der robustere Hebel – dort ist der Rückgang laut aktueller Datenlage deutlich geringer.
Was der kostenlose Sichtbarkeits-Check prüft – und was nicht
Ob eine Website die technischen Voraussetzungen mitbringt, um von KI-Systemen erfasst und als Quelle herangezogen zu werden, lässt sich prüfen: Zugriffsrechte für KI-Crawler in der robots.txt (eine Datei, die Suchmaschinen und KI-Bots mitteilt, was sie lesen dürfen), eine funktionierende Sitemap, strukturierte Daten, Lesbarkeit auch ohne JavaScript und eine klare Frage-Antwort-Struktur im Text. Das ist die technische Basis – fehlt sie, sinkt die Chance, in KI-Antworten überhaupt aufzutauchen.
Was der Check nicht leisten kann: ob Ihre Marke in einer konkreten KI-Antwort tatsächlich genannt wird, und wie Sie im Vergleich zum Wettbewerb dastehen. Das hängt von zu vielen Einzelfaktoren ab, um es seriös automatisiert zu messen. Der Check zeigt die technische Basis – nicht das Ergebnis einer einzelnen Suchanfrage.
Wer wissen möchte, wie die eigene Website bei diesen Grundvoraussetzungen dasteht, kann das kostenlos und unverbindlich prüfen lassen: Jetzt Website auf KI-Sichtbarkeit checken.