Eine neue deutsche Studie liefert erstmals belastbare Zahlen dazu, woher ChatGPT seine Empfehlungen für Handwerksbetriebe, Kanzleien, Restaurants oder Werkstätten tatsächlich nimmt. Das Ergebnis: Ein einziger Datenpunkt sticht deutlich heraus – und es ist nicht das Bewertungsportal, das viele Betriebe für den wichtigsten Hebel halten.
Was die Studie untersucht hat
Das Analyseunternehmen NeuRank hat im Juni 2026 800 Anfragen an zwei KI-Systeme gestellt: 400 an ChatGPT (mit aktivierter Websuche) und 400 an Perplexity, ein weiteres KI-Suchsystem. Abgefragt wurden zehn Branchen – darunter Zahnarzt, Rechtsanwalt, Steuerberater, Friseur, Elektriker, Kfz-Werkstatt und italienisches Restaurant – verteilt auf 20 deutsche Städte unterschiedlicher Größe. Bei jeder Antwort wurde ausgewertet, auf welche Quelle sich das System stützt, wenn es einen konkreten Betrieb nennt.
Die Größenordnung der Auswertung ist relevant für die Belastbarkeit der Zahlen: In allen 800 Antworten nannten beide Systeme reale Firmennamen – im Schnitt 5,2 Betriebe pro Antwort, insgesamt 3.029 verschiedene Firmen. Bei einer Stichprobe von 401 überprüften Nennungen existierten 98 Prozent tatsächlich am angegebenen Ort.
38 Prozent Google Maps, 0,6 Prozent Bewertungsportale
Bei ChatGPT entfielen 38 Prozent aller Quellverweise – also der Belege, auf die sich das System bei seiner Recherche stützt – auf Google-Maps-Einträge. Klassische Bewertungsportale wie Yelp oder vergleichbare Anbieter kamen zusammen auf gerade einmal 0,6 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Unternehmenswebsites und sonstige Quellen.
Das bedeutet praktisch: Wenn ChatGPT einen Betrieb empfiehlt, stammt die zugrundeliegende Information in gut einem Drittel der Fälle direkt aus dem Google Business Profil – dem kostenlosen Firmeneintrag, der bei Google-Suche und Google Maps mit Name, Adresse, Öffnungszeiten, Kategorie, Fotos und Bewertungen erscheint. Kein anderer einzelner Kanal kommt in der Studie auch nur annähernd an diesen Wert heran.
Warum stützt sich ChatGPT kaum auf Bewertungsportale?
Die Studie selbst nennt dafür keine Ursache, nur den Befund. Eine naheliegende – aber unbestätigte – Erklärung: Google-Maps-Daten sind strukturiert und maschinenlesbar hinterlegt, während viele Bewertungsportale ihre Inhalte technisch schlechter zugänglich machen oder für automatisierte Abfragen sperren. Das ist eine Vermutung, keine belegte Tatsache aus der Studie.
Und bei Perplexity? Ein anderes Bild
Perplexity tickt nachweislich anders. Hier stammen 30,5 Prozent der Quellverweise aus Bewertungsportalen – angeführt von werkenntdenbesten.de mit 269 Zitierungen, gefolgt von gelbeseiten.de (100) und dasoertliche.de (90). Google Maps taucht als Quelle dagegen praktisch nicht auf.
NeuRank fasst das so zusammen: zwei KI-Systeme, zwei komplett unterschiedliche Quellenprofile. Eine einzelne Maßnahme – etwa nur das Google-Profil zu pflegen oder nur Bewertungsportale zu bespielen – deckt beide Systeme selten gleichzeitig ab.
Was heißt das für Ihren Betrieb?
Wenn Sie überlegen, wo Sie zuerst ansetzen, gibt die Studie eine klare Priorität vor: Das Google Business Profil ist bei ChatGPT die mit Abstand größte einzelne Quelle für lokale Empfehlungen. Ein vollständiges, aktuelles Profil – korrekte Öffnungszeiten, passende Kategorie, aktuelle Fotos, konsistente Adresse und Telefonnummer – ist damit keine Nebensache, sondern die Grundlage.
Heißt das, Bewertungsportale sind überflüssig?
Nein. Die Studie deckt nur zwei von mehreren KI-Systemen ab, und bei Perplexity zählen Bewertungsportale sichtbar mehr. Außerdem lesen echte Menschen weiterhin Bewertungsportale, unabhängig davon, was eine KI zitiert. Die Studie sagt etwas über die Gewichtung bei zwei bestimmten Systemen in einem bestimmten Zeitraum – nicht, dass andere Kanäle wertlos wären.
Was ein KI-Sichtbarkeits-Check zeigt – und was nicht
An dieser Stelle lohnt eine Klarstellung, weil die beiden Dinge leicht verwechselt werden: Die NeuRank-Studie misst, welche Quellen KI-Systeme in tatsächlichen Antworten zitieren. Ein technischer KI-Sichtbarkeits-Check, wie ihn auch Polargrün anbietet, misst etwas anderes – nämlich die Voraussetzungen, damit KI-Systeme eine Website überhaupt zuverlässig erfassen und einordnen können: ob die robots.txt-Datei (eine technische Anweisungsdatei für Crawler) die KI-Suchsysteme einzeln zulässt, ob eine Sitemap vorhanden ist, ob strukturierte Daten (maschinenlesbare Zusatzinformationen im Quellcode, etwa zu Adresse oder Öffnungszeiten) eingebaut sind, ob Inhalte auch ohne JavaScript lesbar sind, und ob Inhalte in Frage-Antwort-Form aufbereitet sind.
Ein solcher Check sagt nicht, ob Ihr Betrieb in einer konkreten ChatGPT-Antwort genannt wird, und er vergleicht Sie nicht mit Wettbewerbern. Er zeigt, ob die technische Grundlage stimmt – die Voraussetzung dafür, dass Kanäle wie das Google Business Profil oder die eigene Website von KI-Systemen überhaupt sauber ausgelesen werden können.
Was Sie diese Woche tun können
- Google Business Profil vollständig pflegen: Öffnungszeiten, Kategorie, Fotos, Leistungen aktuell halten.
- Name, Adresse und Telefonnummer auf Website und Profil identisch halten (Fachleute nennen das NAP-Konsistenz).
- Prüfen, ob die eigene Website für KI-Crawler technisch zugänglich ist.
- Nicht nur auf einen Kanal setzen – Google-Profil und Bewertungsportale schließen sich nicht aus.
Wenn Sie wissen wollen, wie es um die technischen Voraussetzungen Ihrer eigenen Website steht, prüft der kostenlose KI-Sichtbarkeits-Check von Polargrün in wenigen Minuten robots.txt, Sitemap, strukturierte Daten und Lesbarkeit für KI-Systeme – hier entlang.