Fragt jemand ChatGPT nach Ihrem Betrieb, bekommt er mit hoher Wahrscheinlichkeit falsche Angaben – und zwar nicht nur Kleinigkeiten. Bei 96 Prozent der genannten Geschäftsführer-Namen war der Name frei erfunden. Das zeigt eine Untersuchung der Agentur maxonline, die im Frühjahr 2026 veröffentlicht wurde. Für Betriebe, die bisher nur auf Google-Sichtbarkeit geachtet haben, ist das ein blinder Fleck.
Was die Studie gemessen hat
Die Marketingagentur maxonline hat zwischen März und April 2026 insgesamt 150 mittelständische Unternehmen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz untersucht, aus elf Branchen, mit Jahresumsätzen zwischen 5 und 50 Millionen Euro. Pro Unternehmen wurden drei Prompt-Typen getestet – eine Empfehlungsfrage, eine Faktenfrage und eine Reputationsfrage –, insgesamt über 450 Abfragen. Getestet wurde in ChatGPT im Inkognitomodus, ohne eingeloggten Account, in jeweils neuen Chats.
Die Antworten wurden anschließend gegen echte Quellen geprüft: Handelsregister- bzw. Firmenbuchdaten, die Wirtschaftskammer (für Österreich), Creditreform-Daten sowie die jeweilige Unternehmenswebsite. So ließ sich pro Unternehmen feststellen, welche Angaben stimmten und welche nicht.
Die Zahlen im Überblick
- 56 Prozent der Unternehmen wurden bei einer branchenspezifischen Empfehlungsfrage von ChatGPT gar nicht erst genannt.
- 96 Prozent der genannten Geschäftsführer-Namen waren frei erfunden – also nicht nur veraltet, sondern schlicht falsch.
- 78 Prozent der genannten Gründungsjahre stimmten nicht, in Einzelfällen mit Abweichungen von über 160 Jahren.
- 68 Prozent der Angaben zur Mitarbeiterzahl waren fehlerhaft.
- 58 Prozent der genannten Auszeichnungen oder Zertifizierungen waren erfunden.
- Nur 4 von 150 Unternehmen – also 3 Prozent – wurden von ChatGPT in allen geprüften Punkten korrekt dargestellt.
- Wo die KI negativ über ein Unternehmen sprach, stammten laut Studie 97 Prozent dieser Aussagen ausschließlich aus Arbeitgeberbewertungsportalen.
Diese sogenannten Halluzinationen – ein Begriff für selbstbewusst formulierte, aber erfundene Angaben einer KI – entstehen nicht, weil ChatGPT schlecht funktioniert. Sie entstehen, weil für die meisten Betriebe schlicht zu wenig verlässliche, maschinenlesbare Information vorliegt, aus der die KI schöpfen könnte. Das ist die Kernfeststellung der Studie: Das Problem liegt nicht an der Technik der KI, sondern an der dünnen Datenlage über den einzelnen Betrieb.
Warum erfindet eine KI überhaupt einen Namen?
Eine KI wie ChatGPT beantwortet Fragen, indem sie das wahrscheinlichste Muster aus ihren Trainingsdaten und – je nach Anbindung – aus aktuellen Websuchen zusammensetzt. Findet sie zu einem kleinen oder mittleren Betrieb keine klaren, strukturierten Angaben, füllt sie die Lücke trotzdem – mit einer plausibel klingenden Antwort statt mit „weiß ich nicht“. Für einen Konzern mit ausführlicher Presseberichterstattung, Wikipedia-Eintrag und strukturierten Daten auf der Website ist die Trefferquote entsprechend höher. Für den 20-Personen-Betrieb aus dem Mittelstand fehlt diese Datenbasis oft komplett.
Was bedeutet das für Ihren Betrieb?
Ein potenzieller Kunde, der ChatGPT nach Ihrem Unternehmen fragt – vor einem Erstgespräch, vor einer Bewerbung, vor einer Kaufentscheidung –, bekommt möglicherweise einen falschen Geschäftsführernamen, ein falsches Gründungsjahr oder eine erfundene Auszeichnung präsentiert, und zwar mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der die KI auch richtige Angaben formuliert. Für den Nutzer ist nicht erkennbar, welche Aussage stimmt und welche nicht. Das ist zunächst kein Grund zur Panik – die Studie zeigt ein branchenweites Muster, kein Einzelproblem Ihres Betriebs. Es ist aber ein Reputationsrisiko, das bisher kaum jemand aktiv beobachtet.
Was lässt sich dagegen tun?
Vollständig verhindern lässt sich das nicht – eine KI kann grundsätzlich weiter raten, wenn ihr Informationen fehlen. Die Studie legt aber nahe, dass die Fehlerquote dort sinkt, wo Unternehmen ihre Fakten maschinenlesbar und eindeutig zur Verfügung stellen: etwa auf der eigenen Website, in aktuellen Verzeichniseinträgen und in strukturierten Daten, die Suchmaschinen und KI-Systeme direkt auslesen können, statt sie aus Fließtext zu erraten. Wer dem schon unterwegs ist, kann die eigene Ausgangslage prüfen lassen.
Was unser Check dazu zeigen kann – und was nicht
Der kostenlose KI-Sichtbarkeits-Check von Polargrün prüft die technischen Voraussetzungen dafür, dass KI-Systeme Ihre Website überhaupt zuverlässig auslesen können: ob die Crawler der gängigen KI-Anbieter zugelassen sind, ob eine Sitemap vorhanden ist, ob strukturierte Daten hinterlegt sind, ob Inhalte auch ohne JavaScript lesbar sind, und ob Ihre Seite Fragen und Antworten in einer Form anbietet, die sich leicht zitieren lässt.
Was der Check nicht leistet: Er prüft nicht, ob ChatGPT, Gemini oder andere KI-Systeme Ihren Betrieb in einer konkreten Antwort tatsächlich nennen oder korrekt beschreiben, und er macht keinen Vergleich mit Mitbewerbern. Er zeigt den Boden, auf dem KI-Sichtbarkeit überhaupt entstehen kann – nicht das Ergebnis einer einzelnen KI-Abfrage an einem bestimmten Tag.
Wenn Sie wissen wollen, wie es um diese Voraussetzungen bei Ihrer eigenen Website steht: Der Check läuft automatisch und kostenlos unter /#pruefen.