Wenn ein Kunde bei ChatGPT nach einem Handwerksbetrieb in der Region fragt, entscheidet der Text allein nicht, wer genannt wird. Ein Teil der Antwort steckt im Code der Website – genauer: im Schema-Markup, einer Auszeichnung im Quelltext, die Suchmaschinen und KI-Systemen erklärt, was auf einer Seite steht (zum Beispiel „das ist eine Öffnungszeit“, „das ist eine Bewertung“, „das ist eine Frage mit Antwort“). Lange war unklar, ob sich der Aufwand für strukturierte Daten bei KI-Suchen überhaupt auszahlt. Mehrere Auswertungen aus 2025 und 2026 liefern dazu jetzt handfeste Zahlen – und die sind differenzierter, als mancher Blogpost suggeriert.
Was steckt technisch hinter Schema-Markup?
Schema-Markup (meist als JSON-LD im Quelltext eingebaut, einem strukturierten Datenformat) ordnet Inhalte in feste Kategorien ein: Öffnungszeiten, Bewertungen, Autoren, Frage-Antwort-Abschnitte, Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Google nutzt das seit Jahren für Rich Snippets in der klassischen Suche. Neu ist die Frage, ob dieselbe Auszeichnung auch KI-Systemen wie ChatGPT oder Google AI Overviews (den KI-generierten Zusammenfassungen über den klassischen Suchergebnissen) hilft, eine Seite als Quelle auszuwählen.
Werden Seiten mit Schema-Markup öfter zitiert?
Drei größere Auswertungen kommen zu einem ähnlichen Bild – auch wenn keine davon eine unabhängige, peer-reviewte Studie ist, sondern Datenauswertungen von SEO-Anbietern und Analysten:
- Der SEO-Analyst Kevin Indig wertete mit dem Tool AirOps 16.851 Suchanfragen und 353.799 Seiten in ChatGPT aus: Seiten mit JSON-LD wurden in 38,5 Prozent der Fälle zitiert, Seiten ohne in 32,0 Prozent – ein Abstand von 6,5 Prozentpunkten. Am stärksten schnitten die Schema-Typen BreadcrumbList (Navigationspfad), FAQPage (Frage-Antwort) und Organization (Unternehmensdaten) ab.
- Die Agentur Digital Applied untersuchte 1.000 AI Overviews über zehn verschiedene Suchintentionen und 4.243 zitierte URLs: Seiten mit Schema wurden 2,3-mal häufiger zitiert, mit einem HowTo-Schema (Schritt-für-Schritt-Anleitung) sogar 2,8-mal häufiger.
- Eine Auswertung mit Beteiligung der UC Berkeley (1.100 URLs, 1.702 Zitierungen bei Brave, Google AI Overviews und Perplexity) fand für strukturierte Daten einen Zusammenhang von plus 39 Prozent – hinter aktuellen Metadaten (plus 47 Prozent) und sauberem, semantischem HTML (plus 42 Prozent).
Eine separate Analyse von rund sechs Millionen URLs kommt zu einem plakativen Befund: Seiten, die in KI-Antworten zitiert werden, tragen fast dreimal so häufig JSON-LD-Schema wie nicht zitierte Seiten.
Ein konkretes Beispiel
Search Engine Land hat den Zusammenhang im September 2025 direkt getestet: drei identische Testseiten zu denselben Themen, eine mit sauberem Schema, eine mit fehlerhaftem, eine ganz ohne. Ergebnis: Nur die Seite mit korrekt implementiertem Schema erschien in einer AI Overview und erreichte Position 3. Die Seite mit fehlerhaftem Schema rankte zwar, tauchte aber in keiner KI-Zusammenfassung auf. Die Seite ohne jedes Schema wurde von Google nicht einmal indexiert. Die Autoren selbst schränken ein: „Wir betrachten das nicht als absoluten Beweis“ – es war ein Test mit drei Seiten, kein groß angelegtes Experiment.
Bedeutet mehr Schema automatisch mehr KI-Zitate?
Hier wird es differenzierter. Ahrefs hat den Zusammenhang zwischen August 2025 und März 2026 kausal getestet: 1.885 Seiten erhielten neues JSON-LD-Schema, verglichen mit 4.000 Kontrollseiten ohne Änderung. Das Ergebnis fiel deutlich nüchterner aus als die reinen Korrelationszahlen vermuten lassen: Bei Google AI Mode und ChatGPT stiegen die Zitierungen um 2,2 bis 2,4 Prozent – statistisch nicht von null zu unterscheiden. Bei Google AI Overviews sanken sie sogar leicht, um 4,6 Prozent, das war statistisch signifikant, in absoluten Zahlen aber klein (rund zwölf Zitierungen pro Tag weniger je Seite). Das Fazit der Autoren: Schema nachträglich hinzuzufügen, hat für sich genommen keine der drei Plattformen spürbar nach oben gebracht.
Wie passt das zu den hohen Korrelationszahlen weiter oben? Vermutlich so: Seiten, die es schaffen, sauberes Schema, aktuelle Inhalte, klare Frage-Antwort-Struktur und gutes organisches Ranking gleichzeitig hinzubekommen, werden häufiger zitiert – aber Schema ist dabei eher ein Begleitsymptom von insgesamt sorgfältig gepflegten Seiten als ein Hebel, der isoliert wirkt. Wer nur das Schema nachrüstet, ohne sonst etwas zu verbessern, sollte keinen großen Sprung erwarten.
Welche Schema-Typen lohnen sich am ehesten?
Über die verschiedenen Auswertungen hinweg tauchen dieselben Typen immer wieder als vergleichsweise stark auf:
- FAQPage – Frage-Antwort-Abschnitte, die exakt zu dem Format passen, in dem KI-Systeme antworten
- HowTo – Schritt-für-Schritt-Anleitungen
- BreadcrumbList – die Navigationsstruktur einer Seite
- Organization – Unternehmensdaten wie Name, Adresse, Kontaktwege
- Article mit vollständigen Zusatzangaben zu Autor, Herausgeber und Veröffentlichungsdatum
Für die meisten Kleinbetriebe heißt das konkret: eine gepflegte Unternehmensseite (Organization), eine funktionierende Navigation mit Breadcrumbs und – wo es inhaltlich passt – ein Frage-Antwort-Bereich auf zentralen Seiten decken die Typen ab, die in den Auswertungen am häufigsten mit Zitierungen zusammenhängen.
Was heißt das für Ihren Betrieb?
Drei nüchterne Schlüsse aus der aktuellen Datenlage:
- Schema-Markup korrekt einzurichten kostet wenig und schadet nicht – die Fehler-Variante im Search-Engine-Land-Test schnitt schlechter ab als gar kein Schema.
- Schema allein ist kein Hebel, der eine schwache Seite in KI-Antworten hievt. Es wirkt am ehesten zusammen mit aktuellen Inhalten, sauberem HTML und einer Struktur, die Fragen tatsächlich beantwortet.
- Die Ahrefs-Zahlen zeigen: Wer schon zufrieden mit dem aktuellen Stand ist, muss nicht in Panik nachrüsten. Wer ohnehin an der Website arbeitet, sollte Schema mitnehmen – als eine von mehreren Baustellen, nicht als die eine Lösung.
Was unser Check zeigt – und was nicht
Der kostenlose KI-Sichtbarkeits-Check von Polargrün prüft die technischen Voraussetzungen, um die es in diesem Beitrag geht: ob strukturierte Daten vorhanden sind, ob die robots.txt (die Datei, die Crawlern den Zugriff erlaubt oder verbietet) einzelne KI-Crawler blockiert, ob es eine Sitemap gibt, ob Inhalte auch ohne JavaScript lesbar sind und ob Frage-Antwort-Strukturen vorhanden sind. Er misst nicht, ob Ihr Betrieb in einer konkreten ChatGPT-Antwort genannt wird, und er vergleicht auch nicht mit der Konkurrenz – dafür bräuchte es fortlaufende Abfragen über viele Anfragen hinweg, wie sie die oben zitierten Studien gemacht haben.
Wer wissen möchte, wo die eigene Website bei diesen Grundvoraussetzungen steht, kann das in wenigen Minuten kostenlos prüfen lassen.